


Von Amsterdam geht es nach Ijmuiden, nach nur einer Schleuse sind wir wieder draussen auf der Nordsee. Wir richten AURYNs Bug nach Südwesten. Von Ijmuiden aus geht es in die Nacht hinein, vorbei an riesigen Windparks die in der Dunkelheit rot leuchten. Im Morgengrauen passieren wir Den Haag und Rotterdam, viele Schiffe liegen vor dem riesigen Seehafen auf Reede und wir suchen uns einen Weg zwischen ihnen hindurch. Wir sind schneller unterwegs als erwartet. Schon 24 Stunden und 107 Seemeilen später erreichen wir Zeebrügge. Wir machen im RBSC, dem Royal Belgian Sailing Club fest.
Wir fühlen uns hier super wohl, der Yachthafen ist sehr komfortabel. Strom und Wasser sind in der Liegegebühr inbegriffen, es werden sogar kostenlos E-Bikes zur Verfügung gestellt. Leider können wir die nicht nutzen da es keinen Kindersitz gibt. Der Hafenmeister ist aber wirklich hilfsbereit, er sucht uns die besten Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heraus.


Zeebrügge-Brügge besitzt nach Antwerpen den zweitgrößten Hafen Belgiens. Es ist ein gigantisches Areal und wir liegen mitten drin. Es ist spannend die Abläufe beim Be- und Entladen riesiger Containerschiffe zu beobachten.


Schon seit einiger Zeit macht unser Tiefenmesser, das Lot, Probleme. Gelegentlich zeigt er mal die Tiefe an aber wenn es wirklich wichtig ist fällt er aus. Verschiedene Reparaturversuche schlugen bisher leider fehl. Wir haben online ein passendes Gerät ergattern können. Es wird verkauft in Schilksee, und wir haben riesiges Glück das Angie und Matthias es für uns von Laboe aus abholen können und per DHL auf den Weg nach Zeebrügge bringen – Danke nochmal dafür!!! Die Wartezeit wird uns nicht lang. Wir haben einiges am Schiff zu tun, ausserdem liegen wir hier strategisch günstig um mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Brügge zu erreichen – ein absolutes Wunschreiseziel auf meiner persönlichen laaaaaangen Liste….


An Belgiens Nordseeküste entlang verkehrt ganzjährig die längste Straßenbahnlinie der Welt – die legendäre Kusttram – sie verbindet auf 67 Kilometer De Panne nahe der französischen Grenze mit Knokke-Heist an der niederländischen Grenze. An sage und schreibe 68 Haltestellen kann man hier zusteigen. Von einer Endhaltestelle zur anderen benötigt man knapp zweieinhalb Stunden. Die Bahn führt durch Dünen und malerische Badeorte teilweise direkt am Strand entlang. Auch wir nutzen sie für einige Stopps.
Brügge ist wirklich sehenswert. Die Stadt wurde niemals durch Kriege oder großflächige Brände zerstört, daher sind ihr mittelalterliches Stadtbild und die historischen Gebäude sehr gut erhalten. Der Stadtkern wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Es ist wie eine Zeitreise, einen ganzen Tag lang lassen wir uns durch die Gassen der faszinierenden Altstadt treiben.














An allen Ecken und Enden duftet es nach belgischer Schokolade und nach Waffeln – im Gegensatz zu Amsterdam, wo der Geruch nach einschlägigen Kräutern allgegenwärtig war.


An dieser Stelle sei auch der Film „Brügge sehen… und sterben?“ zumindest von mir – der Skipperin – wärmstens empfohlen.
Heute, am Dienstag kommt schließlich unser heiß ersehntes Päckchen an – liebe Angie, lieber Matthias, ganz lieben Dank für Eure Unterstützung!!


Ein paar letzte Handgriffe sind noch zu tun. Von den Maststufen spannen wir eine Leine zu den Wanten weil sich dauernd das Großfall dahinter verhakt und Artax bekommt einen neuen Platz mittschiffs, weg vom Bug – wegen der besseren Gewichtsverteilung.

Jetzt warten wir nur noch auf die richtige Tide – heute Abend soll der Wind pünktlich mit dem ablaufenden Wasser auf Nordost drehen. Für uns der ideale Zeitpunkt um weiter zu reisen. Wir werden versuchen nach Dunkerque zu segeln – Frankreichs nördlichster Stadt.
