Als Rias Baixas werden vier Meeresarme im Westen der spanischen Autonomen Region Galicien bezeichnet. Sie reichen vom Cabo Fisterra bis an die portugiesische Grenze.
Wir laufen nach einem ereignisreichen Segeltag – von 30 Knoten Wind beim Start bis später sehr schwachen umlaufenden Winden ist alles dabei – in den Ria de Pontevedra ein und segeln bis in den letzten Winkel hinein. Unterwegs kommt auch unsere Erste-Hilfe-Ausrüstung erstmalig zum Einsatz – Thomas kollidiert auf dem Weg zum Vorschiff mit dem Großbaum. Der Anker fällt spät am Abend vor Combarro. Das Ankermanöver zieht sich etwas in die Länge. Beim ersten Anlauf rutscht der Anker beim Einfahren und als wir ihn wieder hoch holen hängt einiges Geäst daran, im zweiten Alauf holen wir ein altes Fischernetz hoch. Im dritten Versuch – es ist bereits ziemlich dunkel – hält der Anker und wir sind zufrieden.


Auf dem Weg zu unserem Ankerplatz sind wir an zahlreichen Muschelflößen vorbei gekommen. Diese Gebilde – als Bateas bekannt – sind große, schwimmende Holzplattformen aus Eukalyptusholz mit einer Seitenlänge von 25 Metern. Unter ihnen hängen hunderte Seile, an denen die weltberühmten, unter Herkunftsschutz stehenden „Mexillón de Galicia – Miesmuscheln“ im nährstoffreichen Atlantikwasser heranwachsen. Eine typische Batea kann bis zu 500 Seile mit Muschelbrut tragen. Die Muscheln haben keinerlei Bodenkontakt und ernähren sich von Plankton, das durch die starke Gezeitenströmung in die Buchten gespült wird. In den Rias Baixas gibt es ca 3300 dieser Bateas.


Am Morgen können wir die Fischer bei ihrer Arbeit an den Muschelflößen beobachten.
Hier befindet sich auch ein bedeutendes Weinanbaugebiet. Es gibt etwa 180 Weinkellereien (bodegas) in der Region; die typische Rebsorte ist der Albariño.
Wir rudern an Land und erkunden den Ort, der als malerischster und schönster Ort Spaniens beschrieben wird. Combarro ist ein bezauberndes Fischerdorf, eng an der Küste entlang auf Granit gebaut.



Unweit der Provinzhauptstadt Pontevedra drängt sich hier auf engstem Raum zusammen was typisch für Galicien ist: Zum Einen unzählige wunderschöne Hórreos. Hórreos sind freihstehende rechteckige Speicher für Getreide, Feldfrüchte und Fisch, die zum Schutz vor Nagetieren und Feuchtigkeit auf Stelzen erbaut sind. Auf zumeist steinernen, etwa 80 bis 120 cm hohen steinernen Pfeilern liegen große Steinscheiben, auf denen dann der eigentliche Speicher ruht. Wände und Türen sind mit Luftschlitzen versehen.



Der Boden der engen Gassen besteht teilweise tatsächlich aus purem Granit, mit in den Stein gehauenen Stufen. Es scheint, als wäre hier die Zeit in einem vergangenen Jahrhundert stehen geblieben.

Im Zentrum des Dorfes steht die kleine Kirche San Roque aus dem 17. Jahrhundert, davor steht eines von zahlreichen Cruceiros in Combarro – eine weiter Besonderheit des Ortes denn hier gibt es besonders viele. Cruceiros sind steinerne Wegkreuze die typisch für die Region sind und haben einen vorchristlichen Ursprung. Sie dienen der Wegmarkierung als auch dem Schutz der Reisenden vor bösen Geistern – und das kommt uns natürlich sehr gelegen.

Wir gönnen uns ein leckeres Essen mit frischem Fisch in einem kleinen Restaurant beim Hafen.
Nach einer Siesta am Boot verbringen wir den Abend am Strand und der daneben liegenden Bar und genießen lokalen Wein aus den typischen Anbaugebieten hier in den Rias Baixas: den Albarinos. Dazu bekommen wir Tapas gereicht und schauen aufs Meer und auf unser Zuhause, das friedlich am Anker schaukelt.


Am nächsten Tag segeln wir die 15 sm bis in die Bucht vor Baiona, vorbei an den Illas Cies. Die Inselgruppe ist Teil des Nationalparks Islas Atlánticas de Galicias. Der Strand Playa de Rodas wurde 2007 von The Guardian zum schönsten Strand der Welt erklärt. Von kaum Wind bis 30 kn Wind ist auf dieser kurzen Strecke mal wieder alles dabei. Und es gibt noch ein Highlight – wir haben unseren Wassermacher in Betrieb genommen. Wir produzieren ca 12 Liter Trinkwasser und verkosten es naürlich gleich. Es schmeckt köstlich!!

Vor Baiona bleiben wir auch zwei Nächte, erledigen einen größeren Einkauf und einige Wartungsarbeiten am Schiff. Im Hafen liegt ein Nachbau der Pinta, eines der drei Schiffe mit denen Columbus Amerika entdeckte und das Erste welches nache Europa zurückkehrte und hier in Baiona ankam und die sensationelle Nachricht von der Entdeckung der Neuen Welt überbrachte.



Wir besichtigen Baionas schöne Altstadt und wandern um die Festung Fortaleza de Monterreal. Zur Virxe da Rocha, der heiligen Jungfrau vom Felsen, einer 15 Meter hohen Statue die über dem Atlantik thront schaffen wir es zu fortgeschrittener Stunde leider nicht mehr.













Baiona ist unser vorraussichtlich letzter Ankerplatz im Norden Spaniens, wenn das Wetter es erlaubt geht es von hier weiter nach Portugal. Mich befällt eine seltsame Stimmung. Einerseits freue ich mich auf ein neues Land, neue Erlebnisse, Entdeckungen, tolle Landschaften und Städte. Aber ich bin auch sehr wehmütig dass wir den Nordwesten Spaniens schon verlassen. Galicien – eine Region, in die ich ohne jegliche Erwartungen gereist bin – hat mich begeistert.
