Durch die Meerenge El Rio motoren wir, denn wir haben schwachen Wind gegenan, aber als wir um Punta Fariones und El Faro biegen und einen östlichen Kurs ablegen können, setzen wir die Genua und motorsegeln an der Nordküste Lanzarotes entlang. Bei Punta Prieta weicht die Küste zurück und wir können Kurs ablegen nach Süd, Zeit den Gennaker zu setzen. Der Wind frischt auf, und schließlich bergen wir bei über 20 Knoten kurz vor Arrecife das große Tuch.



Lanzarote ist genauso karg wie La Graciosa und geprägt von zahlreichen hoch aufragenden Vulkankegeln, der Höchste von ihnen, Penas del Chache, erreicht 671 Meter.
So schön wir heute unter Gennaker segeln konnten, einen Wermutstropfen bringt der frische Wind – der Levante – aus östlichen Richtungen doch mit sich: Wenn der Levante aus den Wüstengebieten Nordafrikas, aus der Sahara weht, nimmt er riesige Mengen feinen Sandes mit. Er trägt ihn über das Meer, trägt ihn bis auf die Kanaren. Dieses Wetterphänomen wird Calima genannt. Der Himmel wirkt milchig. Die Sonne steht nur noch als blasse Scheibe am Himmel, welcher gelblich – orange erscheint. Auryn wird in eine Staubschicht gehüllt – alles, wirklich alles an Bord ist unter einer gelben Schicht feinen Staubes verschwunden. Er bedeckt alle Wanten und Stage, sämtliches laufendes Gut. Unser einstmals weißes Relingsnetz ist gelb. Wo man auch hinfasst, sofort sind die Hände staubig gelb. In Kombination mit dem Salz welches das Schiff bedeckt entsteht eine unschöne schmierige Schicht. Regelmäßig befreien wir die Solarpanele von Staub. Durch die Cockpitscheiben können wir kaum noch etwas sehen.

Beim Castillo de San Gabriel gehen wir vor Anker. Der Ankerplatz erscheint weiträumig, wird aber schnell flach, zudem ist der Grund unrein, also steinig, durchsetzt mit einigen wenigen begehrten Sandflecken. Und auch die Sandpatches sind mit Vorsicht zu genießen, wie unser Nachbar warnt: Nur eine dünne Sandauflage auf Fels, vor zwei Tagen sei sein Katamaran auf Drift gegangen und musste per Dinghy wieder eingefangen werden.
Entsprechend kritisch sind wir bei der Wahl des Platzes und suchen lange nach einer geeigneten Stelle. Thomas schnorchelt mehrfach und überprüft die Lage des Ankers. Ich werde da schnell ungeduldig – ich freue mich darauf nach einem Segeltag endlich anzukommen, möchte an Land gehen. Ich bin wirklich froh das der Skipper da so konsequent ist und im Zweifelsfall den Anker noch zweimal aufholt und neu setzt, bis auch wirklich alles passt und Auryn sicher liegt. Nur so können wir guten Gewissens an Land gehen und unser kleines Heim am Anker lassen.
Das Wasser ist unglaublich klar, riesige Schwärme aus winzigen Fischen tummeln sich unter dem Boot.

Am Abend haben wir noch genug Energie für einen kurzen Stadtbummel. Am nächsten Tag schauen wir uns etwas gnauer um. Im Zentrum Arrecifes liegt der Charco de San Gines, eine natürliche Meerwasserlagune. Von Palmen, Fischerhäuschen, Restaurants und Bar umgeben schlendern wir an der Promenade entlang. Verschlafen dümpeln Fischeboote in der geschützten Bucht.









Hier finden wir auch die wichtigste und älteste Pfarrkirche der Stadt: die Iglesia de San Gines.

Insgesamt wirkt Arrecife wenig touristisch auf uns. Es gibt natürlich einige große Hotels an der Waterfront, aber der Strand Playa del Reducto ist leer und die Fußgängerzone verwaist.

Am Vormittag ist ein weiteres Schiff in unsere Bucht eingelaufen – eine Contest 40, als Ketsch geriggt, unter niederländischer Flagge, die Hanaxabe. Wir sehen Kinder an Bord und rudern neugierig hinüber um uns vorzustellen. Rob und seine Familie leben an Bord und liegen eigentlich dauerhaft in der Marina, kommen aber gelegentlich zum Ankern raus. Wir haben uns für den Abend verabredet, bringen aus der Stadt gekühltes Bier mit. Die kleine Ferle ist 3 Jahre alt, Joep noch nicht mal ein Jahr. Er kann stehen, mit dem Laufen hapert es noch. Es wird ein sehr schöner Abend, wir sitzen lange zusammen und erzählen.

Am nächsten Tag entern wir den Supermarkt – eindeutig sind wir wieder in Spanien, wir können uns kaum entscheiden welche Leckereien wir kaufen und schwelgen in dem unüberschaubaren Angebot.
Am folgenden Tag heben wir den Anker gemeinsam mit Hanaxabe. Sie kehrt in die Marina zurück, die kleine Ferle ist krank. Wir reisen weiter, Auryns Bug zeigt nach Südost.
Wir segeln direkt am Flughafen vorbei, im Minutentakt starten und landen die Flieger. Es fühlt sich völlig verrückt an – wie lange wird ein Flug nach Deutschland wohl dauern? 4 oder 5 Stunden? Und wir sind monatelang unterwegs gewesen um hierher zu kommen. Was für die einen so nah ist, ist für uns so weit entfernt.

Unweit von Castillo del Aguila, vor dem Playa Mujeres, soll der Anker fallen. Hier ist viel Platz, entspannt suchen wir einen Sandflecken am Grund, in dem unser Anker gut halten wird. Thomas steht am Bug und weist mit Handzeichen den Weg. Mit Flossen und Schnorchel ausgerüstet überprüfen wir den Anker, dann lassen wir die Seelen baumeln. Mit der Pütz rücke ich dem gröbsten Staub zuleibe, gründlich putzen müssen wir im nächsten Hafen wenn wir Süßwasser haben.




Am Abend ist Bottichbaden angesagt – ein Highlight für unsere Tochter. Morgen soll es weitergehen nach Fuerteventura – wir können die Insel vom Ankerplatz aus bereits sehen. Wir erwarten Besuch aus der Heimat und freuen uns schon sehr darauf.

Wir freuen uns auf viele weitere Berichte und Bilder !