Nach dem Frühstück holen wir den Anker auf und segeln die kurze Strecke nach Corralejo. Wir hatten bereits im Vorfeld telefonisch einen Liegeplatz angefragt und von der netten Corinna am Telefon erfahren das wir uns für eine Anfrage in Corralejo bei Puerto Canarios registrieren müssen. Das ist die Einrichtung der Regierung der Kanarischen Inseln, die für Verwaltung, Planung und Betrieb von rund 50 Seehäfen und Küstenanlagen auf den Inseln zuständig ist.


Thomas schwitzt vor dem Laptop und schreibt Emails auf spanisch. Auf unsere Mail an die Marina bekommen wir zur Antwort, das wir zwei Nächte bleiben dürfen, am folgenden Tag müssen wir den Hafen bis 23 Uhr verlassen haben. Besser als nix. Wir erreichen das Ankerfeld vor dem Hafen und rufen die Marina über Funk, nach einigen erfolglosen Funkrufen knarzt es schließlich im Gerät und eine Stimme erkundigt sich nach der Bootslänge, dann dürfen wir einlaufen.
Die Fingerstege sind neu und sehr gepflegt, aber es herrscht gähnende Leere. Wir machen am erstbesten Platz fest. Wir sind gerade mit den Leinen fertig und haben den Motor abgestellt, da kommt eine resolute, mit einem Schlagstock bewaffnete Dame forschen Schrittes auf uns zugeeilt. Auf ihrer Bluse prangt der Schriftzug „Security“. Sie teilt uns mit dass wir hier nicht liegenbleiben sollen und weist uns einen anderen Platz weiter innen im Hafen zu. Mit Argusaugen überwacht sie unser Ablegemanöver und steht dann am neuen Liegeplatz bereit um genauso gründlich unser Anlegemanöver zu überwachen. Dann nimmt sie Thomas direkt mit zum Hafenamt. Anderthalb Stunden sehe und höre ich nichts mehr vom Skipper und mache mir bereits Sorgen dass er möglicherweise aus irgendwelchen Gründen inhaftiert wurde. Aber alles gut – das Anmeldeprozedere ist eben in Spanien sehr umfangreich und wird mit der typisch gründlichen Gelassenheit erledigt.

Am Abend bummeln wir noch eine Runde durch Corralejo.

Der Ort ist in weiten Teilen sehr touristisch geprägt, unzählige Restaurants und Bars säumen das Ufer. Corralejo war im 17. Jahrhundert ein berüchtigter Piraten- und Schmugglerhafen, in dem Steuern und Zölle für den Import von Nahrungsmitteln umgangen wurden.

Der nächste Tag begrüßt uns mit etwas lange Entbehrtem: Regen. Er trommelt aufs Deck und auf die Luken, Thomas bewaffnet sich zusätzlich mit Wasserschlauch und Schwamm und befreit unser Heim gründlich vom Staub und Salz der letzten Tage. Sogar die Genuaschoten spülen wir mit Süßwasser. Dann bringen wir erstmal einen großen Wäscheberg zum nahegelegenen Waschsalon.



Danach laufen wir erwartungsvoll Robert, Steffi und ihrer Tochter entgegen, die erst in der vergangenen Nacht mit einiger Verspätung per Flieger gelandet sind. Schon lange haben wir uns sehr auf dieses Treffen gefreut. Nach einem kühlen Bier aus unserem bordeigenen Eisfach ist Bescherung. Es ist ein bisschen wie Weihnachten: unsere Wunsch- und Bestellliste wurde penibel abgearbeitet und wir packen aus und freuen uns über all die tollen Sachen.
Später besuchen wir den nahen Stadtstrand. Die Mädels widmen sich dem Bau einer riesigen Sandburg und irgendwann hält es keinen mehr auf der Decke, alle helfen tatkräftig mit.




Wir planen den nächsten Tag: gemeinsam wollen wir zur Isla Lobos segeln. Sie liegt in der Meerenge La Bocayna zwischen Fuerteventura und Lanzarote und ist unbewohnt. Um an Land gehen und die Insel besuchen zu dürfen ist eine Genehmigung erforderlich, die wir noch am Abend online einholen. Teilweise darf die streng geschützte Insel auch gar nicht betreten werden, Brutkolonien des Sepiasturmtauchers und des Bulwersturmvogels befinden sich hier. Besonders sehenswert sollen auch die kleinen, Hornitos genannten schornsteinartigen Ausbruchskegel sein, die entstehen wenn aus einem Lavastrom aufsteigende Lava durch die bereits erstarrte Kruste nach oben gepresst wird.
Am nächsten Vormittag geht es bei recht viel Wind die zwei Seemeilen bis zur Anchorage der kleinen Insel. Jeder darf mal an`s Steuer, wir segeln sportlich mit ordentlich Lage. Wir ankern im wunderbar türkisfarbenen Wasser, zum Mittag gibt es einen großen Topf Minestrone für Alle. Wegen des starken Windes entscheiden wir letztendlich doch, an Bord und beim Schiff zu bleiben, wir baden und schnorcheln und haben einen schönen Nachmittag. Später segeln wir zurück in unsere Marina, der Wind hat nochmal zugelegt bei bis zu 30 Grad am Wind schafft es sogar die ein oder andere Welle bis zur zahlreich im Cockpit versammelten Crew und macht alle ordentlich nass. Am Abend sitzen wir noch lange an Deck zusammen.







Am nächsten Vormittag spricht Thomas beim Hafenamt vor, und siehe da, es ist überhaupt kein Problem, wir dürfen gerne länger bleiben. Das tun wir auch – für nur 10 Euro pro Nacht liegen wir hier so günstig wie noch nie auf unserer Reise.
In Corralejo haben wir ausserdem ein Geschäft mit Angelbedarf ausfindig gemacht, wir decken uns mit noch mehr neuen und anderen Ködern und dickerer Angelschnur ein. Schließlich fiebern wir immernoch unserem ersten Sushi an Bord entgegen.
Wandernd erkunden wir die nähere Umgebung des Ortes, wir sehen die historische Bunkeranlage Bateria de Costa de Corralejo, die die Meerenge und das Umland vor einer möglichen alliierten Landung schützen sollte.


Als wir zurück zum Schiff kommen legt neben uns eben ein anderes Segelboot an: Maruzza. An Bord ist Guiseppe, er ist Italiener und mit drei kleinen Dosen Bier entern wir gleich sein Schiff. Er ist aus Griechenland kommend hierher gesegelt und auf dem Weg nach Westafrika. Guiseppe ist Fotograf und Filmemacher und schon seit Jahrzehnten auf der kaum 8 Meter langen Maruzza unter Segeln unterwegs. Wir verabreden uns für den nächsten Tag bei uns an Bord.
Den Abend verbringen wir erneut alle gemeinsam am Strand und später schlemmend in einem der unzähligen Restaurants an der Waterfront. Die Pizza Napoli, für die ich mich entscheide ist der Hammer. Alle sind besorgt um unser Wohl, besonders Imran, der sich diebisch darüber freut dass wir auch nach langem Rätseln nicht darauf kommen dass er aus Pakistan stammt.


Am nächsten Tag steht Diesel bunkern auf dem Programm, mit den Kanistern im Bollerwagen fährt Thomas zur Tankstelle, danach erledigen wir noch einen Großeinkauf an Lebensmitteln – hauptsächlich haltbare Dinge. Auf den Kanaren ist bunkern noch gut möglich, auf den Kap Verden wird es vielleicht nicht mehr so einfach sein. Trotzdem steht noch einiges auf der Liste.


Nach einem letzten gemeinsamen Abend am Strand – Drachenfliegen inklusive – und später an Bord verabschieden wir uns von Robert, Steffi und ihrer Tochter. Es war so schön Freunde hier zu treffen. Wer weiß wann wir uns der Heimat wieder einmal so nah fühlen werden.

An unserem letzten Tag in Corralejo sitzen wir noch einmal mit Giuseppe im Cockpit, erzählen und lachen viel, tauschen Erfahrungen aus. Wir hoffen dass wir uns vielleicht auf einer der noch folgenden Kanareninseln oder den Kap Verden wiedersehen. „Ciao Bellissima“ ruft er Irma zum Abschied zu, sie lacht und winkt.

Am Nachmittag laufen wir aus, 130 Seemeilen liegen vor uns bis wir Teneriffa, die Größte der kanarischen Inseln erreichen werden.

Wir vermissen euch jetzt schon !
Aber keine Angst, das war nicht unser letztes date 😃
Bis zum nächsten Wiedersehen auf der anderen Seite der Welt 👋👋👋
Bis dahin wünschen wir euch eine tolle Reise mit vielen unvergesslichen Momenten und Abenteuern