La Graciosa

La Graciosa ist die kleinste der bewohnten Kanarischen Inseln. Nördlich von Lanzarote liegend ist sie nur durch die schmale Meerenge El Rio von der ungleich größeren Insel getrennt.

Die Insel hat 720 Einwohner und es gibt nur einen einzigen Ort: Caleta del Sebo. Straßen gibt es nicht, nur rippelige Sandpisten. Landrover sind das einzige Transportmittel hier.

La Graciosa ist sehr karg, aber ihre Farben leuchten in der Sonne. Der Vulkan Montana Amarilla, der die Ankerbucht vor dem Playa Francesca dominiert, leuchtet in rot und kräftigem orangegelb. Der Strand selbst strahlt gelb und ist durchsetzt von tiefschwarzen Lavafeldern. Dazwischen leuchtet türkisblau das Wasser und gegenüber erhebt sich die hohe Küste von Lanzarote in allen erdenklichen Erdfarben und verliert sich nach Südosten hin in silbernem Dunst. Niedriges, dorniges, mit graugelbem Staub bedecktes Gesträuch liegt alle paar Schritte auf dem heißen Sandboden der Dünen, die sich an den Strand anschließen. Wenn es nicht mit winzigen gelben Blüten gesprenkelt wäre könnte man denken hier lebt gar nichts. Gelegentlich huschen auch ein paar Eidechsen über das schwarze Lavagestein. Einmal fliegt eine Libelle vorbei. Blendend weiß schmiegen sich die würfeligen Häuschen von Caleta del Sebo an die Küste, überragt von einigen wenigen grünen Palmen.

Mit uns ankern ungefähr 25 andere Yachten in der kleinen Bucht. Es ist die einzige Bucht der Insel in der Ankern erlaubt ist. Die Insel gehört zum Naturpark Chinijo-Archipel und die Gewässer sind streng geschützt. Für das Ankern ist eine Genehmigung erforderlich und man darf höchstens 10 Tage bleiben.

Hier gewöhnen wir uns an den Anker zu kontrollieren, ob er auch richtig sitzt, wir stellen nämlich zufällig fest das er nur hinter einem kleinen Felsbrocken hakt.

Nach dem Ausschlafen und Frühstücken klaren wir das Schiff auf. Es weht ein straffer Wind und wir verbringen den Tag an Bord. Am späten Nachmittag besuchen uns Theresa und Martin von Rara Avis die ein paar Stunden vor uns angekommen sind. Bei einem kalten Bier sitzen wir im Cockpit und lassen die Überfahrt Revue passieren, Irma übernimmt wie immer die Führung und zeigt stolz ihr Schiff. Auryn ist unser Zuhause, sagt sie.

Am nächsten Morgen weht es noch mehr, 28 Knoten Wind. Da kriegen wir Artax nicht gut zu Wasser, wir faulenzen also einen weiteren Tag an Bord herum. In der Nacht lässt der Wind nach und früh passt es dann. Wir holen den Anker hoch, verlegen näher zum Strand wo ein Platz frei geworden ist und bauen Artax auf. Wir rudern an Land und wandern an der sandig-felsigen Küste entlang zum 30 Minuten entfernten Ort. Überall finden wir kleine und größere Gezeitenpools mit flachem, warmen und klaren Wasser, die zum planschen einladen. Weiße Seidenreiher suchen im flachen Wasser nach Fressbarem. Die Straßen Caleta del Sebos sind in der Hitze verwaist, aber die Umgebung des kleinen Hafens ist quirlig. Im Supermarkt scheppert Musik aus den Lautsprechern und der Ventilator flappt.

Wir schauen uns die kleine Kirche des Ortes an. Sie ist wunderschön maritim gestaltet, der Altar beteht aus einem Anker, die Kanzel aus einem Ruderblatt und einem Steuerrad und das Taufbecken aus einer Reuse mit einer riesigen Muschel aus Keramik darauf.

Mit unserem kleinen Einkauf wandern wir zurück. So langsam sind wir in einem gemächlichen Modus angekommen. Wir müssen heute nix mehr schaffen, wir haben Zeit. Und auf was wir heute keine Lust mehr haben, das machen wir eben morgen.

Einen Tag später werfen wir nach einem ausgiebigen Frühstück die Wanderschuhe ins Beiboot. Ziel ist der Gipfel der 172 Meter hohen Montana Amarilla. Der ovale, nach Norden geöffnete Krater des Vulkans wirkt wie ein Trichter und presst den Nordostwind nach oben. Es fühlt sich an als würde ich gleich vom Kraterrand geweht, mehrmals gehe ich sicherheitshalber in die Knie und mache mich klein. Irma sitzt sicher auf Papas Rücken und fürchtet lediglich um ihren Hut, aber der ist festgebunden.

Auf den Rückweg bestaunen wir noch den tollen Strand Playa de la Cocina, aber unsere Badesachen haben wir bei Artax gelassen, also baden wir nach unserer Rückkehr an „unserem“ Strand.

Am frühen Abend – wir sind bereits wieder an Bord – klopft es plötzlich am Schiff. Jochen und Susanne von der Segelyacht Jurmo laden uns zum Grillen am Strand ein. Darüber freuen wir uns sehr, wir kennen die beiden noch überhaupt nicht. Nur leider können wir fast nichts beisteuern, und zum Supermarkt im Ort ist es weit. Wir schnippeln noch fix einen Salat zusammen, packen ein Glas Oliven und ein bisschen Knabberzeug ein. Jochen holt uns in seinem Schlauchboot bei Auryn ab damit wir nicht nochmal gegen den Wind zum Strand rudern müssen. Artax wird in Schlepp genommen.

Wir sitzen im Sand, eine Lende und etwas Gemüse brutzelt, dazu gibt es Salate. Es ist so einfach und so lecker. Nach dem Essen legen wir Holz auf und sitzen noch lange am warmen Strand. Wir schwatzen bis es stockfinster ist am knisternden Feuer. Als Irma auf meinen Beinen einzuschlafen droht treten wir den Heimweg an. Zum Glück haben wir daran gedacht das Ankerlicht einzuschalten, sonst hätten wir Auryn noch schwerer gefunden. Wir steuern auch erst das falsche Boot an.

Am nächsten Morgen packen wir zusammen, holen den Anker auf . Los geht’s zur nächsten Insel – Lanzarote. Wir drehen noch eine Runde durchs Ankerfeld und verabschieden uns. Dann sind wir wieder unterwegs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert