Ilha Dourada – die goldene Insel

Die Insel Porto Santo, was wörtlich übersetzt “ Heiliger Hafen“ bedeutet, gehört zum Madeira Archipel. Ihren Beinamen „Die Goldene“ verdankt sie ihrem 9 Kilometer langen goldgelben Sandstrand, der auch vom nahe gelegenen Madeira viele Badegäste herüber lockt. Die Inselgruppe liegt etwa 600 km vor der afrikanischen Nordwestküste und 1000 km südwestlich von Lissabon. Politisch gesehen gehören die Inseln zu Portugal, geologisch betrachtet befinden wir uns hier auf der afrikanischen Platte.

Die Insel entstand vor etwa 19 Millionen Jahren (und ist damit deutlich älter als die Nachbarinsel Madeira, die vor etwa 15 Millionen Jahren entstand) durch vulkanische Aktivitäten an einem Hotspot auf dem Meeresgrund, einem submarinen Schildvulkan. Die Inseln selbst sind nur die Spitzen eines gewaltigen Unterwasser-Vulkansystems, das bis zu 4000 Meter steil bis zum Meeresboden abfällt. Gemeinsam mit den Azoren, den Kanaren und Kapverden bildet das Archipel Madeira die biogeografische Region Makaronesien, was gesegnete oder glückliche Inseln bedeutet.

Nachdem wir uns im Büro der Marina angemeldet haben – zum ersten Mal auf unserer Reise müssen wir uns auch beim Zoll melden, was aber eher wie eine Formsache erscheint – bekommen wir vom netten diensthabenden Marineiro noch einige Tipps für unseren Besuch auf der Insel.

Wir schlafen uns erstmal richtig aus, dann packen wir ein kleines Lunchpaket und starten am späten Vormittag zu einer Wanderung auf den Pico Castelo. Er ist zwar mit 437 Metern nicht der höchste Berg der Insel, aber dafür wohl der Schönste. Einem Vulkankegel gleich erhebt er sich markant über der Hauptstadt Vila Baleira. Zunächst führt uns der Weg durch den Ort, dann eine gepflasterte Straße entlang durch einen Eukalyptuswald und zum Schluss geht es in engen Serpentinen hinauf bis auf den Gipfel.

Der Pico Castelo ist eine grüne Oase auf der ansonsten weitgehend kahlen Insel, er ist dicht bewaldet. Dieser Umstand geht auf ein historisches Wiederaufforstungsprojekt aus dem Jahre 1912 zurück. Die ersten Siedler rodeten das einst reich mit Drachenbäumen, Wacholder und Baumheide bewachsene Porto Santo um Platz für Landwirtschaft und Holz für den Haus- und Bootsbau zu schaffen. Die Folgen waren wie so oft dramatisch: starke Regenfälle schwemmten die nährstoffreiche obere Erdschicht ins Meer, sodass kaum noch etwas gedeihen konnte. Der Forstangestellte Antonio Schiappa de Azevedo initiierte ein großangelegtes Projekt, in dem Aleppokiefern, Seekiefern und Zedern angepflanzt wurden. Auf dem Gipfel des Berges erinnert eine Statue an dieses Lebenswerk.

Ausserdem finden wir eher zufällig heraus, das Eidechsen total wild auf Käse sind. Das ist für uns alle ein großer Spaß, wie Miniaturausgaben der großen Warane stürzen sie sich auf unseren Edamer und reißen verhältnismäßig große Stücke heraus.

Auf dem Gipfel treffen wir einen jungen Mann, Leo aus Hamburg. Er ist Reetdachdecker in der Ausbildung und für ein paar Tage dem Trubel auf der Nachbarinsel Madeira entflohen. Wir kommen sehr nett ins Gespräch und werden schließlich sogar im Mietwagen zurück zu Auryn gebracht. Dafür laden wir Leo, der selbst auch segelt, zum Abendessen an Bord ein. Es wird ein schöner Abend mit tollen Gesprächen. Besonders bei Irma hat Leo sofort einen Stein im Brett und sie redet noch lange von ihrem „Freund vom Berg“.

Der nächste Morgen führt uns nach Vila Baleira wo wir für diesen Tag zwei E-Bikes gebucht haben. Und so geht es flink mit Akku-Unterstützung in den Südwesten der Insel, zuerst zum Pico Ana Ferreira. Wir bewundern die prismatischen Basaltsäulen an der Flanke des Gipfels, entstanden durch die vulkanische Aktivität und anschließende langsame Abkühlung des Magmas vor Millionen von Jahren. Sie lassen nur vage die gewaltigen Kräfte erahnen, die diese Insel haben entstehen lassen.

Von hier aus radeln wir weiter zum Praia do Zimbralinho, einem versteckten Juwel an der wilden Südwestküste Porto Santos. Über eine steile Treppe steigen wir hinab zu dem von runden schwarzen Kieseln bedeckten Strand. Eingerahmt von steilen, hunderte Meter hohen Klippen liegt hier die vulkanische Vergangenheit der Insel offen zutage. Beeindruckend sind die riesigen Kugeln aus schwarzer erkalteter Lava, von denen ich mindestens drei hier am Strand entdecke. Nach einem Picknick machen wir uns wieder an den Aufstieg zu unseren Rädern, die wir weiter oben zurück gelassen haben.

Unser letztes Ziel für heute, als Abschluss dieser schönen Tour sind die Portos das Salemas, eine malerische versteckte Bucht an der wilden Nordküste. Sie ist für ihre kristallklaren, natürlichen Gezeitenbecken bekannt und ideal zum Baden, vor allem mit kleinen Kindern, da sie sehr geschützt sind. Entsprechend sind wir natürlich ausgerüstet und haben das ganze Strandequipment im Gepäck. Wir lassen die Bikes am Parkplatz zurück und nehmen den steilen Abstieg in Angriff. Die Küste ist wunderschön und wild aber leider wird aus dem erhofften Badevergnügen nichts, eine 2 Meter hohe Brandung donnert über die von Felsen geformten Pools hinweg, dazu weht ein straffer Nordwind. Der Sand des kleines Strandes wird durch die Luft gewirbelt und in kurzer Zeit fühlen wir uns sandgestrahlt und können kaum noch aus den Augen schauen. Wir machen ein kleines Picknick und stärken uns für den Rückweg.

Wir bringen unsere Räder zurück und sind ganz begeistert von diesem tollen Tag – diese Möglichkeit der Fortbewegung werden wir sicher noch öfter nutzen wenn sie sich uns bietet.

Am nächsten Tag bereiten wir uns für den zugegebenermaßen relativ kurzen Trip nach Madeira vor, kaufen ein, bunkern Wasser. Am Abend sind wir an Bord von Sulamé aus Frankreich zu Gast. Clément und seine Frau segeln mit ihren beiden 4 und 7 Jahre alten Töchtern. Ihr Ziel ist für´s Erste Panama. Wir sitzen lange zusammen im Cockpit während die drei Mädels unten im Boot spielen. An Bord von Sulamé gibt es einen nahezu unerschöpflichen Fundus von Kostümen, Irma ist plötzlich eine spanische Flamencotänzerin und die beiden anderen Mädchen sind abwechselnd Prinzessinen, Clowns und ägyptische Königinnen. Es wird gemalt, geturnt und gebastelt. Es ist rührend zu sehen wie selbstverständlich die Kinder spielen. Sie haben keine gemeinsame Sprache und brauchen sie auch nicht – in ihrer jeweiligen Muttersprache und mit Gesten verstehen sie sehr genau was der jeweils andere gerade möchte.

Porto Santo hat uns sehr gut gefallen. Es ist beschaulich, wenig touristisch und für eine so kleine Insel recht abwechslungsreich. Wieder haben wir tolle Menschen kennengelernt. Jetzt sind wir gespannt auf seine große Schwester, die Insel des ewigen Frühlings – Madeira.

Comments

  1. Leonard Landgrebe says:

    Hallo, hier ist Leo euer „Freund vom Berg“

    Neulich war ich mal wieder auf dem Dach unterwegs und musste an meine Reise nach Madeira und Porto Santo denken – und ganz besonders an unsere Begegnung und den wunderbaren Abend, den wir zusammen verbracht haben. Euren Mut und eure Entschlossenheit zu dieser Reise bewundere ich immer wieder aufs Neue. Ihr seid da wirklich ein kleines Vorbild für mich!

    Wenn ich eure Texte lese und die Fotos anschaue, bin ich jedes Mal aufs Neue tief beeindruckt. Ich hoffe, es geht euch weiterhin richtig gut auf eurer „Auryn“.

    Liebe Grüße – und richtet Irma bitte aus, dass sie den Feuerfisch aus ihrer riesigen Kuscheltiersammlung ganz lieb von mir grüßen soll!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert