Nach Teneriffa

Unsere Überfahrt nach Teneriffa verläuft entspannt, wir starten mit wenig Wind, aber schon am Abend notiere ich im Logbuch 20 Knoten aus Nord/Nordost. Unter Genua und zweifach gerefftem Groß segeln wir in die Nacht. Gegen 2 Uhr in der Nacht lässt der Wind schließlich nach, vorsichtshalber lassen wir das Reff aber drin. Wir haben 2 bis 3 Meter Welle, Auryn holt ein paarmal kräftig über. Dann dreht der Wind etwas mehr auf Nord, am Morgen baumen wir die Genua aus und kurz vor Mittag schütteln wir schließlich das Reff aus dem Groß. Bereits den ganzen Tag schleppen wir die Angel nach – nach Sonnenaufgang haben wir einen großen fliegenden Fisch an Deck gefunden – aber leider fangen wir nichts. An backbord sehen wir Gran Canaria hoch aufragen, lassen es aber wortwörtlich links liegen.

Ab Ende Oktober sind die wenigen Häfen Gran Canarias gesperrt für Segelschiffe welche nicht an der ARC, der Atlantic Ralley for Cruisers, teilnehmen. Das Risiko hinzufahren, abgewiesen zu werden und weitersegeln zu müssen ist uns zu groß, daher haben wir direkten Kurs auf Teneriffa abgelegt. Wir finden es schade dass ganze Häfen blockiert und für die teuer bezahlenden Teilnehmer einer „Regatta“ reserviert werden. Dadurch bleibt allen Anderen die Möglichkeit verwehrt Las Palmas und Gran Canaria zu besuchen. Viele Atlantiküberquerer melden sich mittlerweile zur ARC an. Uns erscheint die versprochene Sicherheit einer großen Flottille von Segelbooten, die gemeinsam über den atlantischen Ozean in die Karibik fahren, trügerisch, und wir brauchen auch nicht den Status „ARC-Teilnehmer“ aber offenbar lässt sich mit dem Sicherheitsbedürfnis der Segler:innen und der erhofften „Gelinggarantie“ gutes Geld verdienen – 1500€ bis 2000€ kostet die Teilnahme an der ARC inzwischen. Über 300 angemeldete Yachten starten gemeinsam. Ihr Ziel ist Saint Lucia, welches dann ein paar Wochen später genauso überlaufen und voll – und damit vermutlich wenig erstrebenswert für uns – ist wie Gran Canaria jetzt.

Am späten Nachmittag sehen wir die Silhouette von Teneriffa auftauchen. Spektakulär verschwindet die Sonne hinter dem Pico del Teide. Er ist der höchte Berg der kanarischen Inseln, selbst der höchste Berg Spaniens und ein aktiver Vulkan. In letzter Zeit wurde eine erhöhte seismische Aktivität am Vulkan gemessen, Schwarmbeben wurden registriert. Das Cabildo Teneriffa hat bereits einen Notfallplan für einen Aubruch am Teide beschlossen, Übungen für den Ernstfall laufen.

Wir bergen das Großsegel weil es anfängt zu schlagen, es ist mittlerweile zu wenig Wind für Auryn, Luigi hilft ein bisschen und so laufen wir schließlich motorsegelnd um 21:00 Uhr in stockfinsterer Nacht in die Marina Santa Cruz de Tenerife ein. Wir rufen die Marina über Funk und fahren langsam vor, drehen noch ein paar Kreise bis Fender und Leinen bereit sind. Thomas erspäht ein Licht – „da leuchtet jemand mit einer Taschenlampe, siehst Du?“ Ich sehe nichts. Beziehungsweise sehe ich ganz viele Lichter, welches davon ist bitte eine Taschenlampe? „The last pontoon“ hat die Stimme im Funkgerät gesagt, also fahre ich vorsichtig bis ganz nach hinten ins Hafenbecken. Irma schläft zum Glück schon. Jetzt sehe ich auch den tanzenden Lichtkegel einer Taschenlampe. Langsam erkennen wir einzelne Stege, eine Betonpier, ich halte auf die Taschenlampe zu. „Aufstoppen!“ ruft Thomas, und der Marineiro am Steg übergibt uns eine Muringleine. Eilig belegen wir auf der Heckklampe, noch andere Leute sind da und helfen mit den Vorleinen und um kurz vor 22 Uhr liegen wir fest und sicher. Der hilfsbereite Marineiro will uns gleich einchecken aber wir winken ab – bitte, wir kommen morgen früh in`s Office. Nach 30 Stunden Überfahrt sind wir auf Teneriffa angekommen.

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